“Wir sollten eigentlich den Arsch daheim lassen”

23.07.2012
Wer kennt Beastin? Put your hands up in the air! Wer die Jungs, ihre Mode-Linie und ihre Partyreihe und ihre DJ-Kollektiv nicht kennt, aber in den 90ern mit dem guten Hip Hop aufwuchs, kennt zumindest das Beastin-Gefühl. Das Beastin-Gefühl ist das Gefühl ewiger Jugend, wenn man mit Cap ins Crux spaziert, jedes zweite Gesicht schon achtzigmal irgendwo in der Stadt gesehen hat und sich dann mit den feinsten Beats zudröhnen lässt, die man seit der Jugend liebt und auswendig kennt. Man fühlt sich daheim. Man ist losgelöst von Trends und dem Lauf der Zeit. Man ist Feiern. Wie ein Biest. Ein Feierbiest. Duki und Fu werden die beiden Louis van Gaals der Münchner Mode- und Musikszene von ihren Freunden prägnant und liebevoll genannt, die an diesem Samstag ihre neueste Kollektion (Bienvenido) im Amen Store in der Corneliusstraße sehnsüchtig wartenden Schlangen präsentieren und direkt ausverkaufen.
Szenenwechsel. Samstagmorgen in der Isarvorstadt. Man schlendert mit seiner neuen Beastin-Cap gemütlich durch die Straßen, als einem vier attraktive Mädels (darunter Sara Nuru) zuwinken und ein lautes “Beastin! Wooo!” zurufen. Noch mal Szenenwechsel. Erste Schritte mit neuer Beastin-Cap ins Edmoses gesetzt, da wird plötzlich ein Stamperl gereicht: “Prost … weilst a Beastin-Cap aufhast.” Szenenwechsel. Trambahn, ein anderer Cap-Träger nickt freundlich zu, als wolle er sagen: “Ich auch. Wir sehen uns beim nächsten ‘Beastin plays Classic’”. Und so fühlt man mit einer simplen Mütze in München noch ein Stück mehr Heimat als ohnehin. Spießbürgerliche Heimatgefühle mit Hip Hop Attitüde. Wie dieses Kunststück geht, machte uns dieses Gespräch mit Fu verständlich:
Mein Name ist Christian Boszczyk.
Ich bin einer der Chefs von Beastin.
Aktuell bin ich nur damit beschäftigt unsere Bienvenido Release zu überleben.
BSTN ist für mich ein Herzensprojekt, das ich schon immer realisieren wollte.
München ist für mich where my heart’s at.
Wenn ich aber OB wäre, dann würde ich de Freiplatz an der Pinakothek so richtig aufpimpen, mit Flutlicht und allem was dazu gehört. Und ich würde die Gewerbesteuer senken (lacht).
Das Schönste an München ist … die südliche Gemütlichkeit und der einzigartige Biergarten vibe. Lang lebe der Chinesische Turm!
Das Schlimmste hingegen die ganzen Vorurteile und die Antipathie gegenüber der Stadt und ihren Menschen.
Am liebsten halte ich mich auf dem Freiplatz vor der Pinakothek auf.
In den Biergarten würde ich gern mal mit Bob Marley gehen.
Wenn ich 5 Minuten lang die ganze Stadt mit einem Song bespielen könnte, wäre das der Titel „It ain’t hard to tell“ von Nas – Mein All-Time Favourite!
Wer noch nie in der BSTN Bodega war, der hat was verpasst.
Allen Münchnern gebe ich den Tipp: Kommt’s in die Bodega!
Allen Touris gebe ich den Tipp: Kommt’s auch in die Bodega!
Und allen Zuagroasten: Geht’s wieder heim (lacht)
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89: Beastin’ in 5 Schlagwörtern?
FU: Monaco, Bewegung, Style, Duki&Fu und Swaaaaaag (lacht)
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89: Wir sind euch dankbar für eure monatlichen Classic-Partys im Crux und vernünftig anziehen tut ihr uns auch. Was gehört alles zu Beastin?
FU: Die Beastin Bewegung, ist aus unserer Liebe zur HipHop Musik und für Mode entstanden. Los ging es aber zunächst mit den Klamotten. Dann folgten Partys, aus denen dann auch eine eigene Radio-Show hervorging. Das letzte große Ding war dann das Beastin Soundsystem. Dazu zählen fünf sehr namhafte DJs. Da zu zählen: DJ KITSUNE („der am härtesten arbeitende DJ des deutschen Hip Hop“ schrieb die Süddeutsche über den Live-DJ von Azad), DJ DIME (legte erst im vergangenen Monat in Frankfurt für Jay-Z und Kanye West das kleine Schwarze unter die Nadel), DJ DUMBO BEATS, DJ A-LES und die Beastin Bro’s selbst.
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89: Du meintest, Beastin sei für dich ein Herzensprojekt. Was genau daran reizte dich so?
FU: Duki & ich wollten einfach in unserer Stadt etwas bewegen und zeigen, dass hier genauso etwas Cooles mit seinem eigenen Style und einem following entstehen kann. Einer musste ja zeigen das nicht alle “coolio Projekte” aus Berlin stammen müssen (lacht)
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89: Berlin? Nie davon gehört. Aber was war vor Beastin?
FU: Da haben wir studiert und sehr viel Basketball gespielt. Duki und ich waren ne zeitlang semi-professionel unterwegs. Basketball war so zusagen unser “Studi-Job”, er spielte für u.A. für Tübingen und ich für Nördlingen – damals zweite Bundesliga.
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89: Aber Ihr seid doch mit Anfang 30 immer noch im profitauglichen Alter.
FU: Ja, wir haben da ganz gut mitgespielt, aber es war uns beiden von Anfang an klar, dass Basketball nicht unser primäres Berufsziel wird. Dafür futtern wir beide auch viel zu gerne und viel zu viel (lacht)
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89: Dabei spielte von Beginn an München eine große Rolle und statt auf dem Court habt den Konkurrenz-Kampf mit anderen Städten dann auf anderen Gebieten angenommen?
FU: Ja, München spielt eine sehr große Rolle. Aber es ist nicht wirklich ein Konkurrenzkampf. Wir halten unsere Stadt einfach gerne hoch und kommunizieren sie offensiv nach außen (oft) mit dem Beisatz „Monaco“. Deswegen haben wir auch eine .de-E-Mail und .de-Internetadresse. Wir wollen zeigen, dass es eine deutsche Brand ist und keine amerikanische, was viele anfangs vermuten. Aber das revidieren wir dann immer ganz schnell.
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89: Aber nicht nur Hip Hop Größen wie A$AP oder den Newcomer Cro sieht man in euren Klamotten, sondern auch Bayern-Spieler wie Alaba, Boateng oder Ribéry …
FU: Ja, aber primär haben wir internationale Prominenz für die Marke gewinnen können, die uns dabei helfen, die Marke von München aus in die Welt zu tragen. Zum Beispiel Armand van Helden, der bei jedem großen Festival unsere Cap rockt. Mittlerweile haben wir uns da ein riesengroßes Netzwerk aufgebaut mit Leuten, die uns Bescheid geben, wann und wo jemand wo ist und uns dann in Kontakt bringen. Unser Vorteil ist, dass unsere Sachen saugut ankommen bei den Leuten. Sie tragen sie, weil sie ihnen gefallen. Wir bezahlen sie nicht dafür. Das könnten wir auch gar nicht.
Stattdessen fahren wir selber hin, stellen die Stücke mit viel Seele vor und so merken die Leute, wie viel dahinter steckt und dass es authentisch ist und wir nicht irgendeine Marketing-Abteilung. Armand van Helden ist das beste Beispiel. Er hat uns damals über MySpace eine Mail geschrieben und meinte, unsere Sachen gefallen ihm und so ist es gekommen, dass wir ihm wann immer eine neue Kollektion rauskommt, was zuschicken und er rockt das dann.
89: Und Alaba kommt dann einfach so mal vorbei, oder?
FU: Ganz genau. Er hat seine erste Beastin-Cap damals noch im Pool gekauft und dann haben wir ihn kontaktiert, weil es einfach ein Wahnsinnstyp ist, den wir feiern. Es freut uns, wenn er die Sachen trägt und er ist ein optimales “testimonial” für Beastin. Und ganz ehrlich: Ich würde nicht jedem Bayern-Spieler unsere Sachen geben. Egal, wie gehypt sie sind. Das beruht einfach auf Sympathie und darauf ob die Leute zur Marke passen.
89: Eine weitere Person, die man oft mit dem Beastin-Logo sieht, ist Cro. Der Gute wird derzeit nicht nur in Stuttgart, sondern im ganzen Land gehypt. Manchmal traurig, dass es sowas lange nicht mehr aus München gab?
FU: Ich würde mich natürlich freuen, wenn sich mal ein Künstler aus München mit derartig viel Potential entwickeln würde. Noch kennen ich da keinen. Back in the 90’s fand ich Square-One und Feinkost Paranoia cool, aber dass es jetzt aktuell keinen Münchner Rap-Act gibt, der groß rockt, ist mir bisschen Wurscht, ehrlich gesagt.

89: Die Hip Hop Szene in München wirkt auf mich sehr erwachsen und versiert. Du bist Teil dieser Szene. Würdest du mir da Recht geben?
FU: In München gibt es sehr viele Leute, die im Hintergrund arbeiten und gute, professionelle Projekte realisieren. Das geht von “Backpacker-Szene”, wo sich Leute zusammenfinden, bis zum Crown’s Club, der seit Jahren seinen Laden vollbringt. Wir haben das Ding halt mehr auf die 90er Jahre “CLASSIC” Hip Hop-Schiene gelenkt und haben da eine sehr Nische besetzt, wo uns keiner mehr was vormachen kann.
Bzgl. des Alters, muss ich dir allerdings teilweise widersprechen: Bei unseren Parties vermischt sich das eigentlich sehr schön. Leute aus meiner Generation, die mit den 90ies Classics groß geworden sind feiern zusammen mit der “Lil Wayne” Generation, was auch wunderbar funktioniert, weil der sound einfach Knaller ist und eine unglaubliche Atmosphäre auf den Partys ist.
Natürlich kommen dann immer wieder ein paar super G’scheide und meinen ‚Hey, euer Publikum wird immer jünger’. Darauf kann ich nur Antworten: Ja klar, werden die immer jünger!! Wir werden ja auch immer älter. Wir sind jetzt über 30 und sollten langsam mal unseren Arsch daheim lassen, ohne Ende Kinder zeugen, Lanz Kocht kucken und chillen! Wir sollten nicht jedes Wochenende auf einer Party sein (lacht). Das 20-25-Jährige viel feiern wollen, ist absolut normal, organisch und gut!
89: Trotz eurer großen Verbundenheit mit München ist der Flamingo das dominierende Element eurer neuen Bienvenido-Kollektion. Ein Versatzstück aus oder für den Urlaub?
FU: Nicht wirklich. Bei uns entstehen die Design Ideen meist sehr spontan. Da kommt im Gespräch ein Flamingo auf, dann haut der Duki so ’nen verballerten Flamingo raus, dann feiern wir das und ab geht’s. Soweit es geht, verfolgen wir mit unseren Kollektionen keine Trends, sondern produzieren Sachen, die wir mit “breiter Brust” tragen wollen. Und so kommt es, dass auf einem blauen Crewneck-Sweater ein riesengroßer pinker Flamingo prangt. Das macht die Marke aus! Viele Streetwear labels nehmen sich selber viel zu ernst und meinen die Welt neu erfunden zu haben. Duki & ich können nicht mal einen Bank Termin erst nehmen … geschweige denn uns selber (lacht)
89: Wenn Ihr ein Projekt realisieren könntet und euch würden alle Voraussetzung dafür gegeben sein. Was wäre es?
FU: Ein Traum wäre es, einen Schuh mit NIKE zu machen. Wir haben eine sehr sehr gute Beziehung zu NIKE, daher ist es nicht komplett unrealistisch, dass dieser Traum irgendwann in Erfüllung geht.
89: Welches Vorurteil gegenüber München möchtest du abschließend gerne aus dem Weg räumen?
FU: Eigentlich gar keins, weil ich keinen Grund sehe . Ich glaube es gibt wenig Gründe schlecht über München zu sprechen. Aber mei, wie sagt man so schön: „Haters gonna hate”

