Nein Nein Nein

25.07.2012
München an einem Dienstag Abend um 19 Uhr. Vor dem unscheinbaren Lokal in der Fraunhoferstr. 41 steht eine Menschentraube und ist in Proteststimmung. 4. Startbahn?
Weit gefehlt – es ist ein bunt gemischter Haufen von Menschen, denen die Tradition unserer Stadt am Herzen liegt. Jung, alt, sehr alt, sehr münchnerisch, nur leicht angemünchnert: Alles hat sich versammelt und harrt der Dinge, die da kommen mögen.
Und das ist Einiges. Die Gerti hat geladen und die Leute sind dem Ruf gefolgt. Der Ude – ja, der Ude! – hat sich angekündigt und will dem Schoppenschuppen einen Besuch abstatten um mal selbst zu erfahren was da los ist. Wieso da schon wieder ein Lokal schließen muss.
Schuld ist wie immer: das Gespenst der Gentrifizierung. Vermutet man zumindest. Unglaublicherweise gibt es keine Lärmbeschwerden, trotz der nächtlichen Gesangseinlagen bei Gerti. Und erstaunlicherweise pfuscht kein Gesundheitsamt in die Suppe und findet ach so böse Sporen. Nein Nein Nein. Das alles könnte der Ude ja mit einem süffisanten Lächeln aus der Welt schaffen. Vielmehr wollen die Vermieter die Gerti raus haben und haben zum Jahresende gekündigt. Zack. So siehts aus. Seit 1903 ist ein Lokal an der Stelle und seit 1964 führt die Gerti diesen Laden. Sie lebt ihn. Sie ist eigentlich der Laden. Aber klar, man könnte sicher ein tolles Mietshaus an der Stelle bauen. Und viel mehr Geld verdienen. Oder so ein Scheiß.
Zurück zum Ortstermin: Es ist 19.30 Uhr und die Türen sind immer noch verschlossen. Ein Münchner Radiosender beansprucht die Gerti vorab exklusiv und keiner der Gäste darf rein, weil das stören würde. Ist allen egal. Der Gerti auch. Sie schickt die bezaubernde Amelie mit Prosecco-Glaserl für alle nach draußen. Und schon kommt Stimmung auf.
Gerti kommt dann doch noch raus und klärt erstmal auf: “Ja, der Ude kommt. Aber mir wolln hier koa Presseveranstaltung draus macha. Der soll a ganz normals Gfühl fürn Laden kriegn und bloß ned belästigt wern.. einfach gmiatlich. Habt´s des alle verstanden?” Die Menge nickt artig. Fotoapparate werden eingepackt. Und auch ich wage es nicht ihr zu widersprechen. Man widerspricht keiner Institution. Schon gar keiner, die wie immer im Stress ist. Für unser 89-Foto nimmt sie sich aber die Zeit und fragt auch noch: “Ist des was gscheid´s, des 89? Also nix so sexuelles gell!?” Die Amelie hilft mir aus der Patsche und bricht eine Lanze für uns. Puh, Glück gehabt.
Liebe Münchner da draußen – es scheint keine wirkliche Lösung zu geben, wenn die Vermieter nicht nachgeben. Das ist leider Fakt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und vielleicht einigt man sich ja noch. Wie auch immer. Wir geben euch den guten Rat: geht´s zur Gerti, falls ihr noch nicht dort wart! Und wenn ihr schon wart, dann erzählt uns davon. Erzählt anderen davon. Was war euer bester Abend hier? Spread the word, bitches!



