“Wir legen uns mit den Mega-Konzernen an!”
K1X-Boss Christian Grosse im Interview mit 89Wir sind stolz darauf, den Auftakt unserer neuen „Ich bin München“-Interviewserie mit einem ganz großen Münchner machen zu können: Christian Grosse, Chef und Macher von K1X. Auf dem Foto zu sehen im K1X-Store in New York City.
Denn wer dachte, KICKZ sei nur ein Laden mit “scheiß Turnschuhgraffel”, der hat nicht nur in den letzten rund 15 Jahren komplett geschlafen, sondern der hat auch von Sneakers, Basketball und dem Münchner Nachtleben keinen blassen Dunst und ist verpflichtet dieses Interview bis zum Schluss zu lesen. Der Rest vom Fest, der meint, KICKZ sehr wohl zu kennen, der weiß dann hoffentlich auch was das Münchner Label mit dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Sierra Leone, der 90’s Kult-Sendung „Inside NBA“ oder dem NBA-Star Metta World Peace zu tun hat. Und der weiß dann wahrscheinlich auch, warum Christian Grosse die Gentrifizierung in der Feilitzschstraße gar nicht mal so übel findet und welche Verbesserungsvorschläge er für den FC Bayern Basketball in der Hinterhand hält.
KICKZ ist K1X. KICKZ ist Online Store. KICKZ ist Großhandel. KICKZ ist Energy Drink. KICKZ ist das Basketball Magazin Five. KICKZ ist Basketball. KICKZ ist München. Und dafür danken wir Christian Grosse. Und dafür, dass er unsere Fragen mit der gleichen Hingabe und Akribie beantwortet hat wie er KICKZ zur Weltmarke ausbaut.
Mein Name ist Christian Grosse.
Ich bin seit 1993 der Boss bei Kickz.
Aktuell besitze ich etwa 30 Paar Schuhe. Der für mich wertvollste ist der erste Chiefglider. Ich hatte früher mal eine recht mächtige Sammlung, war damit auch ein paar mal im Fernsehen, habe aber inzwischen fast alle Sneakers verkauft.
Kickz ist für mich meine zweite Familie.
München ist für mich mein Homecourt.
Wenn ich aber OB wäre, dann würde ich ein paar spektakuläre Wohnbauprojekte unterstützen, anstatt mir einen drauf zu schnitzen, dass ich ein Bierfass mit einem Schlag anzapfen kann.
Das Schönste an München ist der Altweibersommer.
Das Schlimmste hingegen 8 Wochen Dauerregen.
Am liebsten halte ich mich im Edmoses auf.
In den Biergarten würde ich gern mal mit Congressman Ron Paul gehen.
Wenn ich 5 Minuten lang die ganze Stadt mit einem Song bespielen könnte, wäre das der Titel “Feeling Good” von Nina Simone:
Wer noch nie im KICKZ war, der hat wahrscheinlich hässliche Schuhe an.
Allen Münchnern gebe ich den Tipp: Geht alle öfter mal ins Jivamukti Yoga zum Petros – ein bisserl mehr Shanti kann der Stadt nicht schaden.
Allen Touris gebe ich den Tipp: Versucht gar nicht erst, das MVV-Zonensystem zu verstehen, schaut Euch die Stadt mit Frankie’s Bike Tours an.
Und allen Zuagroasten: Sonnenuntergang am Starnberger See.
89: Seit ein paar Wochen habt ihr ein neues Logo in Eurem Laden in der Feilitzschstraße mit der Skyline von München. Wie kamt Ihr auf die Idee und warum habt Ihr Euer bekanntes KICKZ-Logo aus dem Straßenbild entfernt?
GROSSE: Im KICKZ in der Feilitzschstraße hat alles angefangen. Der Laden ist unser “Insider-Store”. Nur hier gibt es die Air Max 1 und viele weitere limitierte Schuhe. Da wir in München inzwischen drei Filialen haben, wollten wir jeder ein eigenes Profil geben. Deswegen hat die Feilitzschstraße jetzt auch ein eigenes Logo. Das Design erinnert an das alte Logo der Denver Nuggets. Das stellt den Bezug zum Basketball und zu uns her – wir kommen alle vom Basketball. Und zur ganzen Sneaker-Szene, denn schliesslich sind ja fast alle wichtigen Senker Basketball-Schuhe (Superstar, Clyde, Chucks, Air Force One, Blazer, die Jordans …) bzw. von ihnen inspiriert, wie etwa der Supra Skytop 3, viele Modelle von DC oder viele Skateschuhe. Zudem trägt das Logo ähnliche Farben der Olympischen Spiele von 1972 in München, die Skyline und natürlich den Namen Monaco. Das ist der dreifache München Bezug.
89: Eure Verbundenheit mit München äußert sich auch in einer KICKZ-Kollektion im Monaco-Style, die Ihr zur Wiesn-Zeit bringt. Ganz plump gefragt: Warum?
GROSSE: Zuerst muss ich was korrigieren: Viele Leute speziell aus München verwechseln oft KICKZ und K1X. Das ist verständlich, schließlich war es auch mal dasselbe und hat sich erst mit der Zeit auseinanderdividiert. Heute steht KICKZ für die Läden und den Online-Store KICKZ.COM.
Unsere richtige Marke heißt aber K1X. Das ist inzwischen ein eigenes Team um Head go-to-guy Niels Jäger – ja, der vom Edmoses und Bob Beaman (Anm. d. Red.: Und ja, es ist auch der Niels Jäger, der uns in den 90ern immer auf DSF mit “Inside NBA” Basketball lieben lehrte und der uns als 18-jährige Halbstarke an der Tür eines namhaften Münchner Clubs abwies). Die Jungs sitzen in der Landwehrstrasse und beliefern die halbe Welt mit K1X Sneakern, Boots und Klamotten. K1X kommt ursprünglich aus dem Streetball und dem dazugehörigen Basketball-Lifestyle und wird in circa 500 Läden weltweit verkauft. Zusätzlich gibt es ca. 30 K1X Monobrand Stores, darunter unser Store in Soho, New York City.
KICKZ hingegen sitzt in Schwabing und hat inzwischen 10 Läden in ganz Deutschland verteilt. Für beide Firmen arbeiten gut 100 Leute. Und deswegen bringt auch K1X und nicht KICKZ eine Wiesn-Kollektion raus.

The one and only: Be proud of our KICKZ Monaco Store
89: Beides steigert die Exklusivität des Ladens …
GROSSE: Ja, den Monaco-Laden gibt es nur hier und von hier legen wir uns mir den Mega-Konzernen im Sneakerbereich an. Die Leute feiern das neue Logo und wir werden es wohl bald auf Caps und T-Shirts rausbringen!
89: Und wie kam die Kollektion heuer an?
GROSSE: Es funktioniert sogar weltweit! In unserem New Yorker Store ging unser diesjähriges T-Shirt weg wie warme Semmeln.
89: Was liegt denn für 2012 in der Schublade?
GROSSE: Mal sind es nur ein paar Ts, mal ist es ein Schuh. Zur nächsten Wiesn gibt es eine mächtige, sehr hochwertige Kollektion, die wir zusammen mit dem Münchner Kreativ-Duo Christian Hundertmark und Clemens Baldemann entwickelt haben.
89: Mit dieser Kollektion stellt Ihr ja durchaus Eure Verbundenheit mit München heraus. Was macht München für Euch so bedeutsam?
GROSSE: Niels war lange in New York, ich habe in Südafrika studiert, viele Mitarbeiter sind nach München gezogen, um bei uns zu arbeiten. Wenn es uns hier nicht gefallen würde, wären wir schon längst weg … München ist einfach eine gute Kombination. Es ist gibt einfach eine sehr hohe Lebensqualität, und wenn man es geschickt anstellt, muss man in München nicht besonders viel Geld ausgeben, um Spaß zu haben.
89: K1X ist nicht mittlerweile nicht nur Basketball, sondern auch Street Culture Fashion. Wenn wir gerade von Lebensqualität in München sprechen: Wie würdet Ihr einem Berliner oder Hamburger die Münchner Street-Culture beschreiben?
GROSSE: Ich glaube, es gibt Looks und Styles, die funktionieren in ganz Deutschland. Wer wen wirklich beeinflusst, kann man kaum noch sagen. Da gibt es Nerds und Hipster und zig andere. Zuerst tragen die Hip Hop Kids die Sachen in XXL, dann die Skater in M, dafür kommen die Snowboarder mit XXXL daher. Das beeinflusst wiederum die Vorstadt-Kids, die ihre Abercrombie-Hoodies gerade eine Nummer kleiner gekauft haben … Sicher ist, dass die Oberteile allgemein wieder etwas weiter werden und die Hosen unten so eng getragen werden, dass man die Schuhe gut sehen kann. Und das ist natürlich gut für K1X, da wir 2/3 unseres Umsatzes mit Schuhen machen.
89: Und bei denen habt Ihr sogar eine München-Edition des Nike Airmax. Wie kommen wir zu dieser Ehre? Wann und wie ist das gute Stück zu erwerben?
GROSSE: Den gab es. Der ist schon längst wieder ausverkauft, aber wir bekommen von vielen Herstellern regelmäßig hochexklusive Schuhe.
89: Apropos hochexklusiv und Street Culture: In der Feilitzschstraße wurden in diesem Jahr die Schwabinger 7 und Mama’s Kebap abgerissen und auch sonst erfährt Altschwabing in den letzten Jahren eine ziemliche Gentrifizierung. Wirkt sich das bereits auf das Ambiente in der Straße aus – oder gar auf Eure Kundschaft?
GROSSE: In der Garage hinter Mamas Kebaps Haus hat sogar der KICKZ Versand auf 20 qm angefangen! Aber ehrlich gesagt, finde ich es gut, wenn in Schwabing wieder mehr gemacht wird. Die Schwabinger 7 war schon cool, aber sonst war das Eck recht versifft – und nicht im coolen Sinne. Wann ist man denn in Schwabing das letzte Mal ernsthaft abends weggegangen? Das ist doch schon 15 Jahre her. Abends hängen da eher kotzende Düsseldorfer ab. Es ist ja nicht so, dass da Münchens wichtigste Clubs einem “Bonzenviertel” weichen mussten.
Die schlimmste Entwicklungen Schwabings sind diese üblen Trabantenstädte. Gerade gebaut: die eine knapp außerhalb des mittleren Rings Verlängerung Leopoldstraße und die andere beim Olympiapark am Ackermannbogen. Wenn man sich die Architektur der Wohnhäuser anschaut, wird einem Angst und Bange.

Shop in der Feilitzschstraße: Munich Streetculture in Gestalt der KICKZ Monaco Edition trifft auf Gentrifizierung
89: Wenn Du in die Zukunft der Feilitzschstraße blickst …
GROSSE: … mache ich mir keine großen Sorgen. Dank des hässlichsten Tram– und Busbahnhofs der Welt findet man sie leicht, es gibt einige gute Läden und man ist nah am Englischen Garten. 2011 war eins der besten Jahre in der Feilitzschstraße. Wir leben aber weniger von Laufkundschaft. Aber auch klar, dass ich mich freuen würde, wenn ein paar gute Bars und Clubs in die Gegend ziehen.
89: Du erwähntest grad den Beginn des KICKZ-Versands. Was waren denn die wichtigsten Eckpunkte und Meilensteine in der Firmengeschichte von kickz?
GROSSE: Es ging kontinuierlich, die großen Schritte waren sicherlich als wir mit dem Versand angefangen haben. Das war so 1995. Dann ein paar Jahre später, als das Internet sich durchsetzte, waren wir sehr früh und sehr professionell mit einem Shop präsent. Dann natürlich als wir K1X abgespaltet haben und mit dem Großhandel angefangen haben. Weiter ging es mit unserem Lagerumzug nach Berlin, unserer Expansion in die USA mit dem Engagement von Ron Artest und dem ersten Basketball Performance Schuh, dem Chiefglider.
Als Ron Artest (heute heißt er Metta World Peace und spielt bei den LA Lakers) unseren K1X Chiefglider zum ersten Mal in einem NBA Spiel trug … das war schon etwas besonderes. An dem Schuh haben wir 2 Jahre entwickelt, er wurde vor 10 Jahren fertig. Er war seiner Zeit in vielen Sachen voraus. Damals hatten die Schuhe noch dicke Luftkammersohlen und waren sehr hoch geschnitten. Wir bauten einen Schuh mit einer flachen Sohle und einem niedrigen Schaft. Er ist heute noch absolut auf der Höhe der Zeit.
89: Talkin’ bout Profi-Basketball, was haltet Ihr eigentlich von den Anstrengungen des FC Bayern im Profi-Basketball erfolgreich zu werden?
GROSSE: Das ist eine super Geschichte und die Verantwortlichen machen das wirklich phantastisch. Wir haben natürlich Dauerkarten!!! Letzte Saison haben die ein Spiel in der Olympiahalle gespielt – in der Zweiten Liga!! Jedes noch so kleines Detail war auf NBA-Niveau. Da muss man wirklich gratulieren. Das Einzige, was sie noch verbessern sollten, ist, dass die Zuschauer viel zu weit vom Spielfeld weg sitzen. In den USA sitzt man so dicht am Spielfeld, dass man mit den Füßen die Auslinie berühren kann und jedes Wort der Spieler hört.
89: Was war der emotionalste Moment der Firmengeschichte?
GROSSE: Es gab viele bewegende Momente. Natürlich unsere Siege in der Basketball Challenge, bei denen unsere K1X Warriors eigentlich immer ganz knapp gewonnen haben, aber am meisten begeistert mich unser Engagement in Sierra Leone. Wir unterstützen dort nach dem Bürgerkrieg etwa 20 Kids der Lost Generation aus Freetown. Das sind Jungs im Alter von 16 – 22 Jahren, die keine Eltern haben, nie in einer Schule waren, die einfach gar nichts haben, noch nie im Leben ein Dach über dem Kopf hatten, die noch nicht mal jemals auf einer Matratze geschlafen haben.
Wir machen mit denen regelmäßig kleine Projekte. Zum Beispiel haben die Kids jetzt Batikstoffe angefertigt. Aus diesen machen wir eine Schuhserie und verkaufen sie in hochwertigen Boutiquen – unter anderem im Colette in Paris! Das Geld, das wir da einnehmen, investieren wir wiederum in Schulgeld für die Jungs und sorgen für eine Unterkunft und unterstützen ein “Disarment Game”, bei dem verfeindete Gangs die Waffen niederlegen und ein Basketball-Turnier austragen. Das zu sehen und diese Erfolge mitzuverfolgen, das ist echt bewegend.
89: Verrat uns doch zum Abschluss bitte noch eine Anekdote aus München:
GROSSE: „Am Abend vor der Eröffnung unseres ersten Ladens 1993 in der Feilitzschstraße 1 waren wir so um 23 Uhr mit allem fertig. Ich hatte gerade die Tür zugesperrt und noch mal “stolz” in das Schaufenster geschaut, da kam so ein Pärchen vorbei und der Typ sagte zu seiner Frau – ohne zu ahnen, dass ich etwas mit dem Laden zu tun habe: „Das Ladenlokal kenne ich, das soll DM 3.000,- Miete kosten!! Wie wollen die denn mit dem Scheiß-Turnschuhgraffel jemals die Miete bezahlen können”… Dann passt’s ja, habe ich mir da nur gedacht.
Und jetzt geht’s Shoppen.


Kommentare
gschmeidiger typ. vor allem mehr als gschmeidig, wenn man aus all den toughen projekten auch sozial engagiert ist und selbst das dann noch nen label-eigenen spirit trägt. thumbs up!
das mit dem abstand der zuschauer im audidome sehe ich genau so. da brauchst ein fernglas
wann gibts nen achtneun sneaker?
so wie ich marcelo kenne, hat der ne Schublade voll mit entwürfen :-D
Hab schon immer mein Basketballkram da gekauft und werd es auch weiterhin tun. Spitzen Jungs und spitzen Produkte!
Schwabing ist mittlerweile leider kaum noch auszuhalten vor lauter Gentrifizierung, und wer da jetzt noch eine Wohnung sucht, dem fällt angesichts der Preise die Kinnlade runter.
Da sind Leute wie Chritian Grosse echt eine löbliche Ausnahme, man kann nur hoffen, daß er mit seinem Konzept weiterkommt!
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