Wie Sie sehen, sehen Sie nichts

23.01.2012
Alle guten Dinge sind 3? Von wegen. Woche 3 tat weh. Späte Läufe, Schneeregen, eisglatte Wege, diese elendigen Sprints und dann zur Krönung noch die neue persönliche Rekord-Distanz von 25 km. Aber: Es läuft! Denn die Lektion der Woche: Hat man das Ziel vor Augen, ist der Weg egal. Man muss nur den ersten Schritt machen, dann den zweiten, den dritten …
Woche 3 im Schnelldurchlauf:
17.01.2012: “60 Min. lockerer Dauerlauf”
Fast auf eine Ratte getreten. Im Anschluss drei Mal gedacht, dass eine weitere Ratte meinen Weg kreuzt. War dann aber doch nur Laub. Der Grund: eine Sicht wie auf dem Foto oben zu sehen.

19.01.2012: “50 Min. lockerer Dauerlauf, anschließend 5 x 100 m Sprints”
Erneut fast eine Ratte am Isarufer zertreten. Im Anschluss drei Kilometer mit dem Gedanken beschäftigt, wie viele davon es wohl in München gibt und warum ich mir ihrer zahlreichen Vorkommen bisher nicht bewusst war.

20.01.2012: “2 km Einlaufen, 8 x 800 m in 3:44 Min., 2 km Auslaufen”
Wenn München auch noch ein Meer hätte, wäre es die perfekte Stadt. Dann wähle ich zur Abwechslung mal einen Weg, der nur ein paar Meter näher am Ostufer der Isar entlang führt. Zur Musik aus dem iPod mischt sich das Rauschen der Isar, der Geruch der Luft nimmt fast schon maritime Züge an. München ist auf ein Mal so anders. Und das obwohl ich nur 10 Meter neben meiner mir bekannten Route laufe. Ich sollte es öfter tun. Bekannte Wege verlassen … und seien es nur wenige Meter …


22.01.2012: “25 km langsamer Dauerlauf”
Das bisherige Highlight. 25 km! Was war die Vorfreude groß. Doch das Erfolgsrezept für diesen Halbmarathon plus 5 km war denkbar einfach: Nicht stehen bleiben kombinieren mit Beine stetig im gleichen Tempo bewegen, Kopf ablenken und schweifen lassen. Kleinste Eindrücke werden dankbar angenommen, um aus einer Mücke einen gedanklichen Elefanten zu machen, über Kilometer hinweg über diese Banalität nachzudenken und den Schmerz dabei zu vergessen. Bis man zur Erkenntnis kommt, dass der Ursprung des anscheinend nichtigen Gedanken doch gar nicht so nichtig ist wie er anfangs schien. Einer dieser Eindrücke: eine Frau joggt im Woolrich-Mantel mit wuchtiger Pelzkapuze durch – richtig – Bogenhausen. Wer sich einen Mantel für über 300 Euro leisten kann, sollte wohl auch die 50 Euro für eine Sportjacke aufbringen können. Macht sie aber nicht. Warum? Warum nur? Die Beine tun jetzt nicht mehr weh. Sie laufen einfach weiter. Das Gefühl ist eine Mischung aus Taubheit und Schwere. Das Heben der Beine fällt schwer, aber darüber denkt man ab Kilometer 15 nicht mehr über das Laufen nach. Man läuft einfach. Auch die Distanz interessiert nicht. Nur die Joggerin mit der Pelzjacke irgendwie schon noch …



