89 läuft.

16.01.2012
Den Satz haben wir George Orwell zu verdanken.
Der Alltag hat kein Platz für unvergessliche Momente, große Emotionen und dieses eine Gefühl, das Stolz, Freude und Freiheitsgefühl vereint und einen für einen Augenblick schweben lässt. Im Alltag heißt es nur machen – schnell, effizient, gut und immer wieder. Das Ziel ist immer der nächste Schritt, Erfolgsgefühle werden von alltäglicher Hektik verschluckt.
Ziele erreichen. Eigentlich geht es doch nur darum, oder nicht? Eins meiner Ziele ist es, ein Mal im Leben einen Marathon zu laufen. Das mach ich jetzt. Barcelona Marathon am 25. März 2012. Einfach so. Das Beste daran: Als ich den Plan, das erste Mal äußerte, war es November, keiner traute es mir zu, stattdessen sah ich viele Finger, die an Stirnen tippten. Kein Depp würde sich ausgerechnet die Wintermonate für ein Marathon-Training aussuchen.
Aber geduldig war ich noch nie und lief los. Immer wenn es anfing weh zu tun, das Bild vor Augen: dieser eine Moment, dieses eine ganz bestimmte Gefühl beim Durchlaufen der Ziellinie, das man nie mehr vergisst. Und wenn es nicht wehtat, sondern die Beine wie von alleine liefen, der Kopf von der kalten Luft durch- und freigepustet wurde, kamen Ideen – gute und schlechte. Eine davon: Die Schinderei auf achtneun.com zu dokumentieren.
Warum? Aus 4 Gründen:
1. Um den Druck zu erhöhen, das Ding wirklich durchzuziehen.
2. Um all jenen, die mir den Vogel zeigten und meinten, ich solle doch erst Mal einen Halbmarathon laufen, es zu beweisen. (So sind wir Jungs nun Mal.)
3. Um zu dokumentieren, wie man sein alltägliches Umfeld auf einmal anders wahrnimmt, wenn man Woche um Woche für ein paar Stunden alles beiseitelegt und sich seinen Weg über die Hügel, Schlaglöcher, durch Verkehrsrowdies und bunte Lichter unserer Stadt bahnt.
Der 4. Grund ist eine dieser Ideen, die mir beim Laufen kamen – sei sie jetzt gut oder schlecht. Mit 89 stellen wir uns der Herausforderung kreativ zu sein, Ideen und kleine Visionen nicht zu Ende zu denken und dann fallen zu lassen, sondern sie einfach auszuprobieren, aus ihnen zu lernen und mit ihnen zu wachsen. Und das mit dem Anspruch unserer geliebten Heimatstadt und den Menschen, die diese Stadt formen und ausmachen etwas zu geben. 89 ist ein ständiger Versuch sich selbst und seine alltägliches Umwelt zu reflektieren und daraus etwas zu machen, was mehr ist als ein vergangener Augenblick.
Klar, ich laufe für mich und gegen mich – und gegen die Zeit. Aber das tun wir doch alle jeden Tag, oder? Egal, was wir machen, wir tun es für uns und egal, was passiert, wir machen weiter. Jeden Tag, jeden Moment könnten wir aufhören, alles hinschmeißen und anders machen.
Darum möchte ich aus meinem persönlichen Ziel einen Spendenlauf machen. Quälen tu’ ich mich für mich. Aber all die Stunden, die ich nur damit beschäftigt bin, etwas für mich selbst zu tun, all die Monate nur um, mich am Ende ach so toll zu fühlen, was ich nicht für ein Wahnsinnstyp bin, das Ding zu packen, sollen wenigstens einen kleinen Sinn für etwas anderes als mich haben. Daher möchte ich jeden Marathon-Kilometer „verkaufen“. Der Erste kostet einen Euro, der 42. kostet 42 Euro. Wenn ich mich nicht mal wieder verrechnet haben sollte, und ich alle Kilometer verkaufen sollte, müssten so 903 Euro zusammen kommen. Diese möchte ich Menschen schenken, die eben nicht einfach aufstehen können, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen – nur für sich. Und dies vielleicht sogar noch nie in ihrem Leben konnten. Deswegen habe ich mir die Elterninitiative Krebskranke Kinder München e.V. ausgesucht.
Und damit sich Eure Spende auch für Euch bezahlt macht, werde ich Euch nicht nur dokumentieren wie ich mich durchbeiße, sondern die Zeit nutzen, um Euch etwas mitzubringen – einen Gedankenanstoß, eine Idee, einen Moment, einen Song oder einfach nur eine verdammt schöne Laufroute. Denn egal, welche Ziele wir in unserem Leben verfolgen, ist und bleibt es immer ein Privileg sie auch verfolgen zu können.
Ich gebe zu, dieser klassische „Spendenlauf“ ist weder eine neue, noch eine außergewöhnliche Idee. Aber sie könnte 903 Euro für die Elterninitiative Krebskranke Kinder München e.V. bringen. Und eine schlechte Idee kann das nun auch nicht sein.
INFO:
Jeder, der einen Kilometer spenden will, schreibt mir bitte eine Nachricht mit dem entsprechenden Kilometer an david@achtneun.com und ich gebe ihm dann die Kontoverbindung. Zwischenstände werden natürlich regelmäßig gepostet und jeder Kilometer kann nur einmal gespendet werden! Alle, die spenden, werde ich mit Namen auf einem 89-Stirnband mitnehmen. Danke.
Aktuelle Spendenstände und Infos auf www.facebook.com/achtneun

