Bohnen, Bonbons, Bücher
Dreesbach, der Münchner Bücher-Hollister.Dreesbach, der Münchner Bücher-Hollister.
In Hamburg hat vergangenes Jahr der zweite deutsche Hollister-Shop eröffnet. Einkaufen soll hier laut den Machern zum Event werden. Hier werden nicht nur ausgewaschene Kapuzenpullis mit ’ner Möwe drauf und ausgefransten Nähten verkauft, sondern “Leichtigkeit, Abenteuer und Schönheit”. So hat sich das John M. Hollister damals gedacht als er 1922 sein spießiges Elternhaus verließ, um sorgenlos eine Plantage zu führen, durch die Weltgeschichte zu segeln und cool zu sein. Er gründete dann ein coole Firma, die Möbel, Schmuck und andere coole Sachen aus natürlichen Materialien herzustellte.
Sein Sohn übernahm dann die Firma. Er war noch sorgenloser und noch cooler. Er segelte nicht, er surfte. Und er ließ Hollister Co. fünf-mal cooleres Surf-Stuff herstellen. Richtig cool an der Geschichte ist vor allem, dass sie gar nicht stimmt, sondern an einem großen Tisch in einer hippen amerikanischen Marketing-Agentur erfunden wurde.
Das interessiert die Leute in der 100 Meter langen Schlange vor dem Laden aber nicht. Sie haben die Geschichte gefressen, wollen sie am Leib tragen und im Shop Teil von ihr werden. Man mag jetzt sagen, die Marketing-Leute waren genial. Mag sein. Man kann aber auch sagen, sie haben sich einfach für ihre Läden das ausgedacht, was ihnen fehlte und immer fehlen wird: Hingabe und Authentizität. Das ist nämlich auch cool und ziehen tut es auch.
Unerklärlich daher, warum sich vor diesem kleinen Buchladen an der Ecke Viktoriastraße / Herzogstraße in Schwabing keine Schlange bildet. Die August Dreesbach’sche Verlagsbuchhandlung ist nämlich cool und sie ist mehr 2011 und konzepttechnisch up-to-date als sie es selbst wahrscheinlich beabsichtigt. Hier kauft man nicht nur ein Buch. Man lebt und fühlt die Gemütlichkeit des perfekten Leseerlebnis.
Das ist der Moment, in dem es draußen Bindfäden regnet, die beste kolumbianische Bohne in der Tasse neben einem ihren Duft und das Karamell-Bonbon seinen süßen Geschmack verbreitet, während man von Zeile zu Zeile in die Geschichte in der Hand hineingezogen wird und alles um sich herum vergisst. Außer natürlich den Geschmack des Karamell-Bonbons und den Duft des Kaffees.
Und genau dieses multisensorische Genusserlebnis wird in der August Dreesbach’schen Verlagsbuchhandlung wertgeschätzt. Erlesene, teils gar seltene und limitierte Lesestoffe zu einer Handvoll ausgewählten Themen werden dekorativ und mit Liebe präsentiert – und nicht in die Regale geräumt. Während die Bücher auf Reisen durch das literarische Schwabing oder die Gefühlswelt von Maria Christina (Schwester von Marie Antoinette) einladen, füllen ausgefallene Pasta, weit gereiste Tee- und Kaffeesorten, verführerische Leckereien die Zwischenräume. Und der Genuss kann direkt im Laden beginnen. Im Eck warten Süßigkeiten, frischer Espresso und eine gemütliche Couch auf Besuch. Und – genau – es riecht nach guter kolumbianischer Bohne und Karamell-Bonbons liegen an der Kasse.
Die Verlagsbuchhandlung heißt aus gutem Grund so. Der August Dreesbach Verlag verlegt Geschichtsbücher. Alle Bücher werden in Deutschland von FSC-zertifizierten Druckern auf FSC-zertifiziertes Papier gedruckt. Professionell, ästhetisch und mit viel Begeisterung für Geschichte sollen sie sein, die Bücher. Und sie sind es auch.
Aus Dank, dass es sie gibt, die August Dreesbach’sche Verlagsbuchhandlung, muss ich ein Buch kaufen. Es wird „König Ludwig – einzigartig, vielgeliebt, unvergessen“ von Christine Stecher für 4, statt 5 Euro wie beim Hugendubel. Im heimischen Chaos angekommen, fühlt man sich als käme man gerade vom Besuch bei Oma. Und wenn man dann seine Einkaufstüte öffnet, dann erkennt man nicht nur, dass auch diese mit so viel Liebe und Sorgfalt gepackt wurde wie der gesamte Laden gestaltet ist.
Man erkennt auch, was echte Hingabe bedeutet. Hingabe für einen Laden, der so ist, weil es seinen Urheber wirklich gab. Und weil dieser wirklich Geschichte und Bücher liebte. Und weil dieser diesen Geist wirklich weitergab. Da kann der Hollister-Shop, der 2012 in München aufmachen wird, so cool sein wie er mag. Dreesbach is real, Dude!



Kommentare
wer cool ist, besucht die august dressbach’sche verlagsbuchhandlung und fragt nach dem buch “unser münchen”.
Alter, ich liebe meine Hollister Gammel Hose! Aber auch gute Bücher. verdammt. was mach ich jetzt?
mit der gammelhose zum bücherkaufen gehen : ) könnte doch ganz entspannt werden…
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